ATATÜRK
Team
Musikalische Leitung
Bassem Akiki
Regie, Bühne & Kostüme
Ersan Mondtag
Mitarbeit Bühne & Kostüme
Lorenz Stöger
Licht
Gerrit Jurda
Dramaturgie
Till Briegleb, Julia Schmitt
Chorleitung
Jeremy Bines
Besetzung
Mustafa Kemal, später Atatürk
Matthias Klink
Sabel Jessajan, Dichterin / Sabiha Gökçen, Mustafas Tochter
Natasha Te Rupe-Wilson
Fikriye Hanım, Mustafas Geliebte / 1. Frau, die Stotternde
Alma Ruoqi Sun
Latife, Mustafas Ehefrau / 2. Frau, die Fromme
Josefin Feiler
Makbule, Mustafas Schwester / 3. Frau, die Tratschlustige
Itzeli del Rosario
Zübeyde Hanım, Mustafas Mutter / 4. Frau, die immer Kranke
Stine Marie Fischer
Enver Pascha / 5. Frau, die Überassimilierte
N.N.
Otto Liman von Sanders, Mustafas Berater / 6. Frau
Sam Harris
Dr. Fiessinger, Mustafas Arzt / John Spencer / Paul Hindemith
Stephan Bootz
Dr. Fiessinger, Mustafas Arzt / John Spencer / Paul Hindemith
Michael Mayes
Staatsopernchor Stuttgart
Staatsorchester Stuttgart
Die Legende von Mustafa Kemal von Bassem Akiki. Ein Abend über Macht und Verführung, über Vision und Verlust. Und über die Frage, wie viel Zukunft in einem Traum von Nation liegt.
Eine Oper in drei Akten. Libretto von Olga Bach in deutscher, türkischer, armenischer, kurdischer, französischer, griechischer und englischer Sprache mit Übertiteln in deutscher und englischer Sprache.
Eine Nation erfindet sich selbst – und ein Mensch wird zu ihrem Gesicht. Zum Ende des Ersten Weltkriegs entwirft Mustafa Kemal, gefeierter Feldherr im zerfallenden osmanischen Reich, die Vision einer jungen modernen Republik nach westlichem Vorbild. Gegen die geopolitischen Entwürfe der Alliierten ruft er 1923 den neuen türkischen Staat aus und setzt mit Reformen wie Laizismus, Frauenrechte, Hutgesetz und Schriftreform die Rahmenbedingungen für einen neuen Staat samt neuem Menschenbild: „Nicht er werde sich herabbeugen, das Volk solle zu ihm aufsteigen.“ Doch jeder Aufbruch fordert seinen Preis. Was kostet es, eine Nation zu erfinden?
Private Beziehungen kippen ins Historische, politische Visionen greifen in intimste Räume. Frauenfiguren, Weggefährten, Gegner und ein vielstimmiger Chor bilden das Echo einer Gesellschaft im Umbruch. Zwischen Walzerseligkeit, Derwisch-Tanz und Kriegsberichten, Tradition und Säkularisierung, Emanzipation und Repression entsteht das Panorama einer Epoche, die sich selbst neu schreibt – und dabei offene Fragen hinterlässt. Was bedeutet Fortschritt? Wer zahlt für Reformen? Und wie viel Gewalt steckt im Traum von Einheit?
Das poetisch verdichtete Libretto der Dramatikerin Olga Bach folgt keiner Chronologie. Es bewegt sich zwischen dokumentarischen Spuren und Fiktion: dem Taumel des Endes, dem Rausch des Anfangs, den langen Schatten politischer Entscheidungen.
Kammersänger Matthias Klink interpretiert die Titelpartie, während Komponist Bassem Akiki am Pult des Staatsorchesters Klang und Szene zu einem vielschichtigen Raum verschiedener Musikkulturen verschränkt – zu einem Musiktheater, das Geschichte nicht illustriert, sondern aus heutiger Perspektive befragt.