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Ersan Mondtag (*1987, West Berlin) arbeitet an der Schnittstelle von Skulptur, Installation, Performance, Theater, Oper und Film.
Unabhängig vom Medium versteht er seine Arbeiten als räumliche Kompositionen, in denen Körper, Materie und Architektur zu Trägern von Erinnerung werden. Theater, Ausstellung und Film sind dabei unterschiedliche Ausdrucksformen einer gemeinsamen künstlerischen Methode.
Im Zentrum seiner Arbeit steht die Frage, wie sich Geschichte in Körpern und Materie einschreibt. Materie besitzt in Mondtags Arbeiten ein Eigenleben. Sie wird nicht geformt, um etwas abzubilden, sondern als Körper mit eigener Erinnerung verstanden. Holz, Silikon, Stoff, Metall oder architektonische Fragmente tragen Spuren von Zeit, Berührung, Gewalt und Verlust und werden selbst zu Trägern von Geschichte. Seine Skulpturen, Reliefs, Installationen und räumlichen Inszenierungen entstehen als vielschichtige Erinnerungsräume, in denen individuelle Biografien und kollektive Erfahrungen miteinander verwoben sind. Wiederkehrende Themen seiner Arbeit sind Sexualität, Begehren, Verletzlichkeit, Gewalt, Vergänglichkeit sowie die Dynamiken kollektiver Ausgrenzung und gesellschaftlicher Tyrannei. Seine Arbeiten untersuchen, wie sich Macht in Körpern einschreibt und wie Erinnerung, Identität und Geschichte räumlich erfahrbar werden.
Internationale Aufmerksamkeit erhielt Mondtag 2024 mit *Monumente eines unbekannten Menschen*, dem Deutschen Pavillon der 60th Venice Biennale, den er gemeinsam mit der Künstlerin Yael Bartana unter der kuratorischen Leitung von Çağla Ilk entwickelte. Ausgehend von der Geschichte seines Großvaters verband die Arbeit Installation, Film, Skulptur und Performance zu einem begehbaren Erinnerungsraum, der Fragen nach Arbeit, Identität, familiärer Geschichte und den politischen Bedingungen individueller Biografien verhandelte. Die Biennale markiert zugleich einen wichtigen Ausgangspunkt seiner heutigen bildkünstlerischen Praxis.
Parallel zu seinen Ausstellungen arbeitet Mondtag international als Regisseur sowie Bühnen- und Kostümbildner für Theater und Oper. Seine Arbeiten wurden unter anderem am Berliner Ensemble, den Münchner Kammerspielen, dem Maxim Gorki Theater Berlin, der Deutschen Oper Berlin, der Bayerische Staatsoper, den Salzburg Festival, der Wiener Staatsoper, dem Residenztheater, dem Burgtheater, der Deutsche Oper Berlin, der Opera Ballet Vlaanderen, der Opéra de Lyon, dem National Theatre Prague sowie an zahlreichen weiteren internationalen Institutionen präsentiert.
Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet. 2016 wählte *Theater heute* ihn für *Tyrannis* zum Nachwuchsregisseur, Nachwuchsbühnenbildner und Kostümbildner des Jahres. 2017 wurde er für *Die Vernichtung* als Bühnen- und Kostümbildner des Jahres ausgezeichnet. 2019 erhielt er den 3sat-Preis des Berliner Theatertreffens. Es folgten der Oper! Award sowie die Auszeichnung als Bühnenbildner des Jahres in der Kritikerumfrage der *Deutschen Bühne*. Seine Inszenierungen und Raumkonzepte wurden bislang viermal zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
(c) Lukas Städler
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